Dortmund: Graffiti Sprayer am Dortmunder Hauptbahnhof - Bundespolizei nimmt vier Tatverdächtige vorläufig fest

Pressemitteilung (ots): 29.11.2020 – 14:40 Uhr, Bundespolizeidirektion Sankt Augustin

Dortmund - Castrop-Rauxel (ots) Vier Tatverdächtige nahmen Einsatzkräfte der Bundespolizei am Freitagabend (27. November) nach kurzer Flucht in der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs fest. Die "Lackkünstler" sollen im Schutz der Dunkelheit einen Zug mit Graffitis besprüht haben.

Gegen 22 Uhr bestreiften Einsatzkräfte der Bundespolizei die Abstellgruppe der Bahn am Dortmunder Hauptbahnhof. Im Bereich der dort abgestellten Züge konnte die Streife frischen Lackgeruch wahrnehmen. An einer Eurobahn konnten die Bundespolizisten aus der Ferne vier Personen feststellen. Diese waren offensichtlich mit dem aktuellen Design der Eurobahn nicht einverstanden und hatten sich augenscheinlich darangemacht, den Zug umzulackieren. Daraufhin wurden weitere Einsatzkräfte zu der Örtlichkeit disponiert. Nachdem die vier Personen die Bundespolizisten bemerkt hatten, flüchteten sie von den Bahnanlagen in das Stadtgebiet. Durch die Unterstützungskräfte konnten alle vier Personen im Bereich der Treibstraße / Unionsstraße vorläufig festgenommen werden.

An der Eurobahn stellten Bundespolizisten neben Sprühlackdosen, Einweghandschuhen und Rucksäcken weitere Beweismittel sicher. Mit dem Tatvorwurf konfrontiert, stritten die mit Farbanhaftungen an Kleidung und Händen verschmutzten Männer jegliche Beteiligung an der Sachbeschädigung ab.

Die vier "Künstler" bei denen es sich um deutsche Staatsangehörige aus Dortmund (17/27/32) und einen 18-jährigen Castrop-Rauxeler handelte, wurde anschließend zur Wache gebracht. Dort wurden ihre Fingerabdrücke genommen und ihre Smartphones sichergestellt. Gegen die Sprayer leitete die Bundespolizei ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung ein. Anschließend durften sie die Wache wieder verlassen.

Hintergrund:

Für Jugendliche ist es häufig nur ein Streich, der Kick etwas Verbotenes zu tun, die Suche nach Anerkennung in der Szene - also nicht weiter schlimm. Für die Deutsche Bahn bedeutet es jährlich immense Ausgaben: Graffiti und Vandalismus. Der Schaden, der der DB dadurch entsteht, beläuft sich im Jahr 2018 auf 38 Millionen Euro. Die Entfernung von Graffiti erfordert Erfahrung und Fachwissen. Aufwand, Umweltbelastung und Kosten sind enorm. Um die aufgesprühte Farbe vom Lack der Züge zu entfernen, werden stark reizende Chemikalien eingesetzt.

Die Reinigung der Züge ist daher nur in speziell ausgestatteten Werkstätten unter Einhaltung von strengen Arbeits- und Umweltvorschriften möglich. Speziell geschulte Mitarbeiter der DB müssen die einzelnen Farbschichten in häufig zeitintensiver und mühsamer Handarbeit Schicht um Schicht abtragen. Dabei greifen die Chemikalien die darunterliegenden Lack- und Folienschichten der Züge an. Lösungsmittelfreie und umweltfreundliche Lacke sind nach der zweiten "chemischen Reinigung" zerstört und müssen komplett erneuert werden. Für die Reinigung eines Nahverkehrs-Triebwagens benötigen zwei bis drei Fachkräfte einen ganzen Arbeitstag. Die Kosten variieren je nach Größe und Schichtdicke des Graffitis. Die Neulackierung eines Triebwagens kostet bis zu 30.000 Euro und dauert rund sieben Tage. Auch Stützmauern, Gebäude und Lärmschutzwände sind immer wieder Ziel von Farbschmierereien. Vor allem bei historischen Bauwerken ist die Entfernung oft problematisch und erfordert den Einsatz von hochqualifizierten Fachleuten. Bei Gebäuden aus Sandstein frisst sich der Lack regelrecht in das Gestein und kann nur durch eine teure Sandstrahlbehandlung entfernt werden. In anderen Fällen müssen Graffitiflächen immer wieder überstrichen werden, was die Luftdurchlässigkeit des Steins beeinträchtigt. Dann drohen Mauerschimmel und Feuchtigkeitsschäden. Damit die Wände weiter atmen können, erhalten viele Gebäude zum Schutz vor Graffiti Beschichtungen aus mikroporösem Wachs.

Sobald öffentliches oder privates Eigentum illegal bemalt wird, handelt es sich um Sachbeschädigung. In Extremfällen drohen den Tätern bis zu zwei Jahre Gefängnis. Die Bahn erstattet grundsätzlich bei jedem Vandalismusdelikt Strafanzeige. Alle Verschmutzungen werden dokumentiert: "tags" und "pieces" werden fotografiert, um sie den Tätern zuzuordnen und Schadensersatz fordern zu können. Was den wenigsten Tätern klar ist: Auch wenn sie strafrechtlich unter das Jugendstrafrecht fallen und oft sogar ohne Strafe davonkommen, kann die DB den materiellen Schaden als zivilrechtliche Forderung über 30 Jahre im Nachhinein geltend machen. Beträge von oft vielen Tausend Euro können so noch Jahre später eingefordert werden, auch wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat minderjährig war oder kein Einkommen hatte. Wird der Bahnbetrieb gestört, erfolgt eine Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr. Dabei vergessen Sprayer oft, dass sie sich bei ihren Aktionen in Lebensgefahr begeben. Berührungen mit Stromleitungen oder fahrenden Züge führen oft zu lebensgefährlichen Verletzungen.


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